6. Zwei Ansätze von Immuntherapien

Trotz diesen Schwierigkeiten gelingt es Forscherinnen und Forschern weltweit immer wieder, neue Immuntherapien erfolgreich zu entwickeln und zu lancieren. Grundsätzlich werden dabei zwei verschiedene Ansätze verfolgt:

Wirkstoffe

Checkpoint-Inhibitoren: die Handbremse lösen

Die erste Möglichkeit, um das Immunsystem gegenüber Krebszellen zu stärken, sind die sogenannten Checkpoint-Inhibitoren (Checkpoint-„Unterdrücker“). Checkpoint-Proteine sorgen im Körper normalerweise dafür, dass das Immunsystem nicht überreagiert. Dies nutzen Krebszellen aus: Sie produzieren solche Proteine, präsentieren sie auf ihrer Oberfläche und täuschen dem Immunsystem so vor, dass sie harmlos sind.
Checkpoint-Inhibitoren dagegen sind Wirkstoffe, die diese Proteine blockieren und dadurch dem Immunsystem die Wahrheit zeigen: Es handelt sich um eine Krebszelle.
Solche Checkpoint-Inhibitoren können bei einer Vielzahl von Krebsarten eingesetzt werden, gute Erfolge gibt es bereits bei der Therapie von Lungenkrebs und Hautkrebs. 

Zellen

T-Zellen: Immunzellen scharf machen

Bei dieser Herangehensweise werden nicht einzelne Wirkstoffe verabreicht, sondern Zellen. Immunzellen (T-Zellen) werden dem Patienten entnommen und gentechnisch so verändert, dass sie auf ihrer Oberfläche neu ein Molekül präsentieren (eine Art Antenne), das Krebszellen erkennen kann, indem es an das Tumorantigen CD19 andockt. Sobald die veränderte T-Zelle eine Krebszelle entdeckt hat, beginnt sie sich zu vervielfältigen. Eine einzelne solche T-Zelle kann 1000 Krebszellen abtöten.
Interessant ist, dass die Technik auf viele andere Krebsarten anwendbar ist, insbesondere Leukämien (Blutkrebs) und Lymphome (Krebs des Lymphsystems).

Mit Hilfe von Antikörpern werden Krebszellen gegenüber dem Immunsystem sichtbar gemacht
Mit Hilfe von Antikörpern werden Krebszellen gegenüber dem Immunsystem sichtbar gemacht
© Beobachter
Immunzellen werden gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen können
Immunzellen werden gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen können
© Beobachter