7. Wie entstehen Resistenzen?

Bakterien vermehren sich durch Teilung rasend schnell, manche Bakterien teilen sich alle 20 Minuten. Bei diesen Zellteilungen entstehen immer wieder kleine Fehler im Erbgut, sogenannte Mutationen (Genveränderungen). Bestimmte Mutationen können dazu führen, dass ein Bakterium plötzlich gegenüber einem Antibiotikum resistent ist. Wenn nun das Antibiotikum eingesetzt wird, werden alle Bakterien abgetötet, die nicht über diese Mutation verfügen. Das mutierte Bakterium aber überlebt und kann sich nun in Ruhe ausbreiten. Alle seine Nachkömmlinge sind ebenfalls vor diesem Antibiotika geschützt, weil die genetischen Information weitergegeben wird. Zudem haben Bakterien die Möglichkeit, Resistenzen nicht nur an ihre direkten Nachkommen weiterzugeben, sondern auch an „Freunde und Bekannte“.

Das Problem der Antibiotika-Resistenzen hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft, denn je häufiger Antibiotika eingesetzt werden, umso grösser ist die Chance, dass sich Resistenzen bilden. Ein Grund für das vermehrte Auftreten von Antibiotika-Resistenzen ist der übermässige Antibiotika-Gebrauch in der Medizin. Zu oft werden Antibiotika leichtsinnig verschrieben, zum Beispiel bei Erkrankungen, bei denen Antibiotika nichts ausrichten können. Auch wir selber tragen zur Antibiotika-Resistenz bei, indem wir die Antibiotika nicht richtig einnehmen. Denn wichtig ist immer die vollständige Einnahme der durch den Arzt verordneten Menge. Viele Patienten beenden aber die Einnahme der Antibiotika vorzeitig, weil sie sich wieder gesund fühlen. 

Nicht nur in der Humanmedizin werden die Antibiotika häufig eingesetzt, sondern auch in der Tierhaltung: Damit sich Schweine, Kühe, Hühner nicht gegenseitig anstecken, erhalten sie Antibiotika über das Futter und Wasser. So können resistente Keime entstehen, die dann über den Verzehr von nicht durchgegartem Fleisch oder durch mangelnde Küchenhygiene zum Menschen gelangen.

Wie kann die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen eingedämmt werden?

Es braucht einen zurückhaltenden, sachgemässen Einsatz von Antibiotika. Sie sollen nur zum Einsatz kommen, wenn es sich tatsächlich um eine bakterielle Infektion handelt. Ärzte und Tierärzte müssen die Antibiotika richtig dosieren, Patienten und Bauern dafür sorgen, dass die Therapie korrekt durchgeführt wird.
Zentral sind weiter Hygienemassnahmen im Spital wie beispielsweise regelmässiges Händewaschen des Spitalpersonals und Infektionskontrollen (z. B. Screening, Isolation und Behandlung von Erkrankten). Auf diese Weise kann die Übertragung resistenter Bakterien zwischen Patienten und Spitalpersonal verringert werden.

Wie sich resistente Keime verbreiten
Wie sich resistente Keime verbreiten
© Daria Süssbier @Interpharma