2. Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika wirken auf zwei unterschiedliche Arten:

1. Sie hemmen das Wachstum bzw. die Vermehrung der Bakterien, töten den Erreger selbst aber nicht ab (= bakteriostatische Antibiotika)
2. Sie töten den Erreger ab (= bakterizide Antibiotika)

Antibiotika wirken gegen Bakterien, ohne die menschlichen Zellen empfindlich zu schädigen, denn Antibiotika greifen dort an, wo sich bakterielle von menschlichen Zellen unterscheiden. So sind Bakterien die einzigen bekannten Organismen, deren Zellwand aus Murein besteht. Dieser Zucker kommt ausschliesslich in Bakterien vor. Ferner besitzen Bakterien andere Ribosomen zur Herstellung von Proteinen und andere Enzyme zur DNA-Replikation als der Mensch (siehe Kapitel 1 Gentechnik). Menschliche Zellen bilden auch keine Folsäure wie Bakterien, sondern diese nimmt der Mensch mit der Nahrung auf. All diese Unterschiede haben Forscherinnen und Forscher ausgenützt, um Wirkstoffe zu entwickeln, die nur Bakterien schaden und nicht dem Menschen.

Ein Problem gibt es allerdings: In unserem Darm leben Millionen von Bakterien, die uns bei der Verdauung helfen. Antibiotika können nicht unterscheiden zwischen diesen «guten» Bakterien in unserem Darm und «schlechten» Bakterien, die uns krank machen. Das ist auch der Grund, warum eine Antibiotika-Behandlung die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen und zu Verdauungsstörungen führen kann. Diese Nebenwirkungen klingen aber nach dem Ende der Antibiotika-Behandlung wieder ab.

So wirksam Antibiotika gegen Bakterien sind, gegen Krankheiten, die durch Viren ausgelöst werden (etwa eine Grippe oder Aids) sind sie völlig wirkungslos. Das liegt daran, dass Antibiotika in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen. Viren hingegen haben gar keinen eigenen Stoffwechsel, sondern bedienen sich zur Vermehrung einer Wirtszelle. Sie bieten den Antibiotika damit praktisch keinen Angriffspunkt.

Penicillium notatum
Penicillium notatum
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