4. Epidemie vs. Pandemie

Der Unterschied zwischen einer Grippe-Epidemie und einer -Pandemie ist vor allem geografischer Natur: Eine Epidemie ist örtlich begrenzt, eine Pandemie ist weltumspannend. Ob Epi oder Pan – darüber entscheidet der Influenza-Typ.

Beim «normalen» Influenzavirus, das für die saisonale Grippe verantwortlich ist, ändert sich von einem Jahr auf das nächste meist relativ wenig. Oder bildlich gesprochen: Das Virus ändert einen Teil seiner Kleidung, zieht sich zum Beispiel eine neue Hose an, oder ein neues Hemd über, worauf das Immunsystem des Menschen den Erreger nicht mehr richtig erkennen kann. Ein solches Virus kann eine Epidemie auslösen, aber keine Pandemie.

Wenn bei mindestens 1,5 Prozent der Patienten eine Grippe diagnostiziert wird, spricht man von einer Epidemie. Die wirtschaftlichen Folgen der saisonalen Grippe werden oft unterschätzt: in der Schweiz verursacht sie Behandlungskosten in der Höhe von 100 Millionen Franken und Arbeitsausfälle in der Höhe von 350 Millionen Franken.

Im Abstand von Jahrzehnten entsteht jedoch ein ganz neuer Influenza-Typ: Das Virus wechselt die gesamte Garderobe. Mit diesem neuen Virus ist das Immunsystem heillos überfordert, weshalb das Virus mehr Menschen befallen kann und für den einzelnen Menschen gravierendere Folgen hat – eine Pandemie.

Im 20. Jahrhundert gab es drei grosse Influenza-Pandemien. Im Jahre 1918 mit der Kombination H1N1 (Spanische Grippe, 25-50 Millionen Tote), 1957 mit H2N2 (Asiatische Grippe, eine Million Tote) und 1968 mit H3N2 (Hongkong-Grippe, 700 000 Tote). Dazu zwei Vergleiche: Während des 1. Weltkriegs starben etwa 16 Millionen Menschen und seit der Entdeckung des HI-Virus im Jahre 1981 sind etwa 30 Millionen Menschen an Aids gestorben.

Neuere Kombinationen, die aber (noch) nicht ähnlich verheerende Ausmasse angenommen haben wie die oben erwähnten Pandemien, sind die Vogelgrippe und die Schweinegrippe. Im Jahre 1997 brach die Vogelgrippe bei Hühnern in Hong Kong aus, hervorgerufen durch H5N1. Seither haben sich Hunderte von Menschen angesteckt, die in direkten Kontakt mit infizierten Vögeln (Kot, Federn, Sekret etc.) kamen, und etwa die Hälfte ist daran gestorben. In den Jahren 2009 und 2010 sprach man vor allem von der Schweinegrippe (H1N1). Dieses Virus hat sich schnell von Mensch zu Mensch übertragen. Bislang starben weltweit etwa 18 000 Menschen an diesem Erreger.