5. Ethische Aspekte: Wann beginnt das Leben?

Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Ab wann beginnt das Leben? Ist der Embryo bereits ein Mensch mit allen zugehörigen Rechten? Welche Rechte hat ein überzähliger Embryo - hat er die gleichen Rechte wie ein geborenes Kind?

Die Stammzellforschung wird heute intensiv und kontrovers diskutiert. Die Ursache dafür liegt in der Herkunft der embryonalen Stammzellen: Man gewinnt sie aus frühen Embryonen, die im Reagenzglas ursprünglich für eine Behandlung von Unfruchtbarkeit (In-Vitro-Fertilisation) erzeugt wurden. Viel versprechende Alternativen wie die adulten Stammzellen (AS-Zellen), die im Körper jedes Menschen vorkommen, die Reprogrammierung von AS-Zellen zu undifferenzierten Zellen oder die Nutzung von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut, können vielleicht in Zukunft den Einsatz embryonaler Stammzellen überflüssig machen. Der aktuelle Stand der Forschung zeigt hier jedoch noch keine eindeutige Entwicklung.

Die ethische Frage, ob menschliche Embryonen zu Forschungszwecken erzeugt bzw. verwendet werden dürfen oder sogar müssen, weil Ärzte verpflichtet sind, Kranken zu helfen, wird weltweit unterschiedlich beantwortet. In einigen Ländern dürfen Embryonen, die nach künstlichen Befruchtungen überzählig eingefroren vorliegen, in der Forschung eingesetzt werden. Grossbritannien ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat Anfang 2001 das therapeutische Klonen menschlicher Embryonen in der Forschung zugelassen. Beim therapeutischen Klonen handelt es sich um ein Verfahren zur Züchtung von Gewebe mit körpereigenem Erbgut (siehe Kapitel Klonieren). In der Schweiz dagegen verbietet das Gesetz derartige Praktiken. Doch werden auch hierzulande Stimmen laut, diese Stammzellforschung zu fördern.

Punktieren einer Eizelle
Bei der künstlichen Befruchtung wird eine weibliche Eizelle punktiert und der Samenfaden in das Zellplasma injiziert.
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