4. Stammzellen zur Behandlung von verbrannter Haut

Künftig soll der Kreis der Anwendungsmöglichkeiten stark verbreitert werden. So ist es heute vereinzelt bereits möglich, Menschen mit Hautverbrennungen ihre eigene Haut zu verpflanzen, die man nach dem Unfall im Labor gezüchtet hat. Was so einfach scheint, ist in Wirklichkeit aber ein schwieriges Unterfangen. Eine Reihe von Hürden gilt es zu überwinden, um zur körpereigenen Haut zu gelangen.

So müssen die Stammzellen eines Gewebes zunächst isoliert werden. Hat man die Stammzellen für die Hautbildung gefunden, so gilt es, diese im Labor zu vermehren, und zwar in solchen Mengen, dass sie auch zur Behandlung der verbrannten Körperstellen genutzt werden können. Man züchtet sie auf einem Brückengewebe, das geeignete Bedingungen für Zellwachstum sicherstellt. Das neue Gewebe muss so auf den Patienten übertragbar sein, dass die Regeneration maximal angeregt wird und sich eine schöne, glatte Haut bildet. Bei dieser gezüchteten Haut handelt es sich allerdings nicht um echte Haut und daher fehlen Schweissdrüsen und Haare. Vor allem bei grossflächigen Transplantationen wird das zu einem Problem.

Ermutigend ist auch die Entdeckung menschlicher Netzhautstammzellen: Die Zellen vermehren sich im Reagenzglas laufend und differenzieren zudem zu jenen Zellen, die bei einer schweren Augenkrankheit, der Makuladegeneration, verloren gehen. Hier haben Tierversuche bereits Erfolge gebracht: Die Verpflanzung menschlicher Netzhautstammzellen in die Augen von Mäusen und Hühnern zeigt, dass diese Zellen überleben, zur Netzhaut wandern, sich zwischen Nervenzellen einnisten und sich zu jenen Zellen zu entwickeln scheinen, welche Lichtreize empfangen.

AS-Zellen könnten auch in der Arzneimittelforschung eingesetzt werden. Die Sicherheit neuer Wirkstoffe könnte mit Hilfe von differenzierten Zellen getestet werden, welche von Stammzelllinien abstammen.

Können AS-Zellen wieder zu ES-Zellen werden?

Im Jahre 2006 ist dem japanischen Forscher Shinya Yamanaka und seinem Team ein stammzellentechnisches Kunststück gelungen, das bis zu diesem Zeitpunkt viele für unmöglich gehalten hatten: Er brachte AS-Zellen dazu, sich in einen Zustand zurückzuversetzen, der dem der ES-Zellen in vielerlei Hinsichten identisch ist. Er nannte diese Zellen induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). Diese Zellen haben den Vorteil, dass für ihre Gewinnung keine Embryonen zerstört werden müssen. Und: Falls man sie in Zukunft für medizinische Therapien nutzen würde, so würden zudem die Probleme mit der Abstossungsreaktion des Körpers wegfallen, da man körpereigene AS-Zellen in iPS-Zellen zurückverwandeln könnte.

Heute können iPS-Zellen hergestellt werden, ohne die Ausgangszellen gentechnisch verändern zu müssen.

 

BTLC Stammzellen, Auge
Auch in der Netzhaut des Menschen haben Forschende Stammzellen entdeckt.
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