6. In 40 Jahren zum Medikament

Die Entwicklung von Glivec ist in zweierlei Hinsicht erwähnenswert: Erstens, weil das Beispiel zeigt, wie lange die Entwicklung eines Medikamentes dauern kann, in diesem Fall von der ersten Entdeckung an 40 Jahre. Zweitens zeigt Glivec, wie das Wissen über die molekulare Entstehung einer Krebsart zu einem erfolgreichen Medikament geführt hat. Das Problem ist allerdings, dass die meisten Krebsarten auf mindestens vier bis fünf verschiedenen Mutationen beruhen und nicht nur auf einer. CML ist da eher eine Ausnahme. Deshalb setzen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf die Karte Kombination: Je mehr Angriffspunkte den Forschenden bekannt sind, desto gezielter können sie auf den jeweiligen Krebs eingehen.

Dies ist prinzipiell keine neue Idee. Kombinationstherapien sind heute Standard bei vielen Krebstherapien. Aber die meisten herkömmlichen Therapien bauen dabei auch auf herkömmliche, nicht-spezifische Medikamente. Die Aufgabe der Krebsforscherinnen und -forscher besteht nun darin, die neuen Krebsmedikamente erfolgreich miteinander zu verbinden, so dass am Ende - dies die Vision der Forschende - für jede Krebsart eine massgeschneiderte Therapie zur Verfügung steht.