3. Spezifische Attacke

Die neue, zweite Generation von Krebsmedikamenten, von denen einige schon auf dem Markt sind und weitere in klinischen Versuchen getestet werden, attackieren hingegen spezifisch nur Krebszellen und lassen die gesunden, sich teilenden Zellen in Frieden. Diese Medikamente wurden entwickelt, um die molekularen Probleme zu lösen, welche zur Entstehung eines Tumors geführt haben.

Zwei bekannte Beispiele dieser neuen Generation von Medikamenten sind Glivec und Herceptin (für Informationen zu Herceptin siehe Kapitel  Monoklonale Antikörper). Glivec wirkt gegen einen Krebs des Blutsystems mit der Bezeichnung chronisch myeloische Leukämie (CML). An der CML erkranken in den USA und in Europa jährlich je etwa 5'000 Menschen neu, damit zählt sie zu den eher seltenen Krebserkrankungen. Die CML geht nach einer mehrjährigen chronischen Phase in einen fortgeschrittenen Zustand über, der schliesslich in eine explosionsartige Vermehrung von weissen Blutzellen ausartet und zum Tod der Betroffenen führt.

Vor der Entwicklung von Glivec behandelten Ärzte die CML-Patienten meist mit Knochenmarkstransplantationen. Das Problem war jedoch, dass es viel zu wenig Knochenmarkspenden gab. Patienten mussten monatelang warten. Zudem eignete sich nur ein Fünftel der Kranken für eine solche Behandlung. Eine andere Behandlung war die Gabe von Interferon, welche half, das Überleben zu verlängern. Interferon wurde aber nicht von allen Patienten gut vertragen.