1. Tierversuche

Der Mensch hat ein zwiespältiges Verhältnis zum Tier: Einerseits pflegt er enge Beziehungen zu Tieren, insbesondere zu Haustieren wie Hunden, Katzen oder Pferden. Hunde helfen Blinden und werden oft als beste Freunde des Menschen bezeichnet, Katzen füllen eine einsame Wohnung mit Leben, auf dem Rücken der Pferde liegt bekanntlich das Glück der Erde. Der Mensch betrachtet seine Haustiere oft als Freunde und Teil der Familie.

Andererseits sind Tiere auch Nutztiere. 3,56 Millionen Schweine, Ziegen, Schafe, Rinder und Pferde, sowie 50 Millionen Hühner werden in der Schweiz jährlich geschlachtet. Auch für Tierversuche werden sie benützt, in der Schweiz waren es 2010 rund 761'675 Tiere, meist Mäuse und Ratten. Diese Zahl hat sich seit 1983 um 60 Prozent verringert. Dass wir Menschen Tiere schlachten, um deren Fleisch zu essen, gehört zu unserer Kultur. Doch einige Ethiker, wie der Amerikaner Peter Singer, lehnen dies grundsätzlich ab, weil wir nicht auf das Fleisch der Tiere zwingend angewiesen sind und uns ebenso gut mit Pflanzen und Ergänzungsmitteln ernähren könnten.

Auch mit Tierversuchen können sich nicht alle Menschen einverstanden erklären. Weshalb werden überhaupt Tierversuche durchgeführt? Hier einige Antworten:

Pro Tierversuche

  • um die Vorgänge in unserem Körper besser verstehen zu lernen, welche bei Tieren gleich sind. Das ist vor allem wichtig für Grundlagenforscher, welche an Schweizer Universitäten arbeiten.
  • um Krankheitsursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Hier spricht man von angewandter Forschung, also Forschung, welche in Biotech- und Pharmafirmen, aber auch an Universitäten durchgeführt wird.
  • um die Wirksamkeit und die Sicherheit von Medikamenten und Lebensmitteln zu gewährleisten. Medikamente müssen von Gesetzes wegen an Tieren auf ihre Sicherheit getestet werden, bevor sie zugelassen werden, um das Risiko für den Menschen zu verringern.
  • weil es für viele Fragestellungen keine Alternative zum Tierversuch gibt. Forschende versuchen, wenn immer möglich, eine Alternative zum Tierversuch zu finden. Nicht immer ist das möglich.
  • um Vorgänge in Tieren besser verstehen zu lernen und Medikamente für Tiere an Tieren zu testen

Hier einige Argumente gegen Tierversuche:

Contra Tierversuche

  • Tierische Krankheitsmodelle haben für den Menschen nur eine bedingte Aussagekraft. Menschen und Mäuse sind sich zwar ähnlich, aber sie sind nicht gleich.
  • Das Tiere können in der Versuchstierhaltung und im Versuch selbst oft nicht arttypisch gehalten werden. Sie entwickeln dann Stress- und Verhaltensstörungen.
  • Um ein bis zwei transgene Tiere zu erzeugen, sind hundert Versuchstiere notwendig, welche anschliessend «entsorgt» werden.
  • Geheimniskrämerei: Tierversuche unterliegen aufgrund von Forschungsinteressen der Geheimhaltung.

Was ist ein Tierversuch?

Nicht alle Versuche mit einem Tier gelten gemäss Tierschutzverordnung als Tierversuch. Der Geltungsbereich dieser Verordnung erstreckt sich auf alle Wirbeltiere, auf die Zehnfusskrebse (Decapoda) und Kopffüssler (Cephalopoda). Ein Versuch mit einem Regenwurm oder einer Taufliege ist demnach kein Tierversuch.

 

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Ein Grossteil der Tierversuche wird mit Mäusen und Ratten durchgeführt.
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