3. Ethische Aspekte zur Pharmakogenomik

PRO

Medikamentensicherheit
Die begründete Hoffnung besteht darin, dass Patienten dank der Pharmakogenomik von Medikamenten profitieren, die besser auf sie zugeschnitten sind und dadurch weniger Nebenwirkungen auftreten. Dadurch steigt das Vertrauen in diese Medikamente. Verschiedene Beispiele belegen diesen Effekt.

Kosten
Viele Experten meinen, dass das Gesundheitswesen von der Pharmakogenomik profitieren wird, da nur noch Medikamente verschrieben werden, die auch tatsächlich wirken. Dadurch sollten Kosten eingespart werden. Aber gerade in diesem Punkt gibt es auch andere Stimmen. Pharmakogenomik könnte die Kosten im Gesundheitswesen auch erhöhen, denn diagnostische Tests kosten auch Geld, sagen Kritiker.

CONTRA

Umgang mit genetischen Daten
In Zukunft werden wohl viele Menschen in der Schweiz etwas über ihre Gene erfahren, zum Beispiel im Rahmen einer Behandlung. Wer hat Zugriff auf diese Daten? Wie hoch ist das Risiko, dass Missbrauch mit diesen Daten getrieben wird, falls sie elektronisch vorhanden sind und in Datenbanken zugänglich sind?

Wahrscheinlichkeiten
Auch die Pharmakogenomik kann keine absolute Sicherheit bieten. Sie kann höchstens mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit voraussagen, ob ein Medikament bei einer Person mit einem bestimmten Genprofil unerwünschte Wirkungen auslösen wird oder nicht. Der Umgang mit Wahrscheinlichkeiten kann heikel sein.

Ist Pharmakogenomik diskriminierend?
Oft wird gegen die Pharmakogenomik ins Feld geführt, dass sie diskriminierend sei. Denn ein Gentest kann dazu führen, dass der eine Patient ein vielleicht lebensrettendes Medikament erhält und der andere nicht. Ist das diskriminierend? Ist es ungerecht? Was halten Sie von der Position des TA-Swiss (siehe unten)?

«Der Vorwurf, genetische Minderheiten würden diskriminiert, wenn für sie keine Medikamente entwickelt würden, greift zu kurz. Der Umstand, dass es seltene Genotypen gibt und dass für sie im Unterschied zur Mehrheit der Patienten für bestimmte Krankheiten keine wirksamen Medikamente existieren, rechtfertigt die Rede von willkürlicher Ungleichbehandlung deshalb nicht, weil es kein moralisches Recht auf eine funktionierende Therapie gibt. Hingegen besteht die moralische Pflicht, die Entwicklung von Arzneien zu fördern, die genetischen Minderheiten zugute kommen. Der beste Weg hierzu führt über staatliche Massnahmen, welche die Heilmittelhersteller ermutigen sollen, sich einem Unterfangen zu widmen, das für sie weniger rentabel ist.»

Quelle: TA-Swiss, Zentrum für Technologiefolgenabschätzung, Auf dem Weg zu massgeschneiderten Medikamenten? Kurzfassung, 2004

Ein Blick ins eigene Genom - lohnt sich das?

Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Firmen wie 23andme, die über das Internet ein delikates Angebot machen: ein Blick in die eigenen Gene. Habe ich eine höhere Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken? Oder an Parkinson? Oder für psychische Störungen wie Depressionen? Verschiedene Firmen bieten solche Dienstleistungen an, zum Teil für mehrere Hundert Dollar.

Viele Experten sind derzeit skeptisch gegenüber solchen Angeboten, weil das Wissen über die Entstehung vieler Krankheiten noch begrenzt ist und unbegründete Ängste ausgelöst werden können. Würden Sie wissen wollen, wie ihre Gene aussehen?

Personalisierte Medizin
Im Zusammenhang mit personalisierter Medizin müssen auch ethische Fragen diskutiert werden.
© Gerd Altmann, pixelio.de